Der andere! Rhythmus...

Für den Weg, den die Kinder und Jugendlichen mit uns gehen, stehen uns verschiedene Möglichkeiten der Hilfe zur Verfügung, die durch den Lebens- und Arbeitsrhythmus des Hofes eine wichtige Unterstützung finden.

Auch, dass der Hof anders! ein offenes Haus ist, wo jederzeit Freunde und Schulkameraden herzlich willkommen sind, fördert das Gefühl hier heimisch zu sein.

Aufbauend auf dem Rhythmus der gemeinsamen Mahlzeiten kommt dem täglichen Treffen, wenn die Jugendlichen aus der Schule kommen, eine besondere Bedeutung zu. Sie spüren, wenn sie von ihrem Schulalltag berichten, dass sie gesehen werden. Diese Momente sehen wir als bedeutende Räume der Kommunikation an. So entstehen immer wieder sensible Zusammenkünfte, die ganz besonders das Gefühl der Gemeinsamkeit und Geborgenheit stärken. Das wir-sitzen-alle-in-einem-Boot Gefühl bedeutet enorm viel für die Jugendlichen. Es geht nicht nur darum ein Essen gemeinsam einzunehmen, sondern vielmehr auch um die Tatsache, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist. Sensibel sind diese Momente deswegen, weil hier eine Möglichkeit entsteht, dass jeder von seinem Tag berichten kann.

Aber auch das Berichten ist nicht selbstverständlich und muss erst gelernt werden. Um dem Jugendlichen Mut zu machen, damit er leichter ins Reden kommt, gehen wir Mitarbeiter mit gutem Beispiel voran und erzählen selbst von unserem Erlebten. Ein Gespräch verbindet und schafft Vertrauen, denn jeder gibt etwas von seinen Seelenerlebnissen preis.

Die Schwierigkeiten, welche die Jugendlichen in die Isolation getrieben haben, resultieren meist aus Erfahrungen. Nämlich, dass sie von ihren seelischen Befindlichkeiten berichtet haben und dieses Wissen von anderen missbraucht wurde oder ungehört blieb.

Solange die Jugendlichen noch nicht in die Schule gehen, leben sie sich intensiv in die Rhythmen von Hof anders! ein. Da ist grundsätzlich erstmal der geregelte Tageslauf, beginnend mit einem gemeinsamen Frühstück und der Planung für den Tag oder die nächsten Tage. Notwendige Arbeiten werden erläutert und entschieden: Gehen wir gemeinsam in den Garten, oder gibt es eine Maschine zu reparieren? Wer hilft die Wiese zu mähen, repariert den Zaun oder unterstützt den Bau der neuen Brücke über den Bach? Hat jemand Freude am Steinhauen? Wer will schweißen lernen, oder sensen? Wer darf backen? Oder bei der Obsternte helfen, traut sich in die Bäume zu klettern, und plumpst abends müde und zufrieden ins Bett?

Oder es findet ein Hoffest statt, alle Hände werden gebraucht, um zu ordnen und zu schmücken.

Es gibt viele Dinge, die getan werden wollen, der Lauf der Jahreszeiten und die vielfältigen Aufgaben auf der Hofstelle regieren sanft unseren Rhythmus. Das intensive körperliche und sinnliche Erleben birgt ein großes Potential an befriedigenden Erlebnissen. Das Helfen auf dem Hof ist als Angebot für Jugendliche zu verstehen, die eine Zeitlang nicht zur Schule gehen und eine Weile eine ganz andere! Schule brauchen, nämlich ein Lern-Atelier zur Lebenskunst, fern von Schulgebäude und Füllfederhalter.